Heinrich von Kleist

Kleist-Stein 2014Ein Dichter zwischen Aufklärung, Romantik und Klassik, der sein Leben lang reiste, aus einer fortwährenden Krisenerfahrung heraus seine Ideen entwickelte und sich stets nach Ruhm sehnte, den er zu Lebzeiten nicht errang.

Heinrich von Kleist wurde am 18. Oktober 1777 als ältester Sohn eines preußischen Offiziers in Frankfurt an der Oder geboren. Unterrichtet wurde er durch Hauslehrer, die ihm einen lebendigen Geist bestätigten. Mit 15 Jahren trat Kleist in das Potsdamer Garderegiment ein, wobei ihm der militärische Dienst von Anfang an zuwider war. Ausgleich zu diesem Drill suchte er im Schreiben und Musizieren. Im Alter von 16 Jahren war Kleist bereits elternlos. 1799 erhielt er den erbetenen Abschied aus dem Militärdienst.

Im gleichen Jahr begann Kleist ein Studium an der Frankfurter Universität in Physik, Mathematik, Kulturgeschichte, Philosophie, Naturrecht und Latein. Während des Studiums verliebte er sich in Wilhelmine von Zenge, die Tochter eines Generalmajors, mit welcher er sich heimlich im Jahre 1800 verlobte. Nach drei Semestern brach der zunehmend unzufriedene Kleist sein Studium ab und unternahm mehrere Reisen.

Das Erleben vielfältiger Landschaften – u.a. auch eine REISE DURCH LICHTENSTEIN – sowie das von nun an leidenschaftlicher werdende schriftstellerische Schaffen halfen ihm, seine Lebenskrise zu überwinden. In einem Brief an seine Verlobte schilderte er seine Eindrücke von Lichtenstein, welche in Auszügen heute noch auf dem sogenannten KLEIST-STEIN nachzulesen sind.

Für Kleist galt das Reisen als eine Art Befreiung. Diese Begeisterung konnte er jedoch mit seiner Verlobten nicht teilen und so kam es 1802 zur Trennung. Nach weiteren Reiseunternehmungen, welche ihn von Dresden über Bern, Mailand, Genf und Paris führten, kehrte er 1804 nach Preußen zurück und ließ sich zum Staatsbeamten ausbilden. Doch die Tätigkeit im Finanzbereich befriedigte ihn nicht, sodass er nach zwei Jahren aus dem Staatsdienst ausschied. Wieder begab er sich auf Reisen, schrieb währenddessen weitere literarische Werke und kehrte im Jahre 1809 zurück nach Preußen. In Berlin wurde er Herausgeber der ersten Tageszeitung „Berliner Abendblätter“, geriet jedoch in Konflikt mit der Pressezensur und musste nach kurzer Zeit auch diese Arbeit aufgeben. Nach mehreren verzweifelten Versuchen der Existenzsicherung – v.a. endlich als freier Schriftsteller anerkannt zu werden – wählte Kleist im Alter von nur 34 Jahren am 21. November 1811 vereinsamt und perspektivlos am Ufer des Kleinen Wannsees bei Potsdam den Freitod.

Wilhelmine von ZengeKleist-Brief an seine Verlobte Wilhelmine von Zenge

Zwickau, 5.9.1800, 3 Uhr nachmittags
„Jetzt habe ich das Schönste auf meiner ganzen bisherigen Reise gesehen, und ich will es dir beschreiben. Es war das Schloß Lichtenstein. Wir sahen von einem hohen Berge herab, rechts und links dunkle Tannen, ganz wie ein gewählter Vordergrund, zwischen durch eine Gegend, ganz wie ein geschlossenes Gemälde. In der Tiefe lag zur Rechten am Wasser das Gebirgsstädtchen, hinter ihm, ebenfalls zur Rechten, auf der Hälfte eines ganz buschigten Felsens, das alte Schloß Lichtenstein; hinter diesem, immer noch zur Rechten ein höchster Felsen, auf welchem ein Tempel steht Aber zur Linken öffnet sich ein weites Feld, wie ein Teppich, von Dörfern, Gärten und Wäldern gewebt. Ganz im Hintergrunde ahndet das Auge blasse Gebirge und drüber hin, über die höchste matteste Linie der Berge, schimmert der bläuliche Himmel, der Himmel im Norden, der Himmel von Frankfurt, der Himmel, der mein liebes Minchen beleuchtet, und beschützen möge, bis ich es einst wieder in meine Arme drücke.
Ja, mein liebes Mädchen, das ist ein ganz andrer Stil von Gegend, als man in unserm traurigen märkischen Vaterlande sieht. Zwar ist das Tal, das die Oder ausspült, besonders bei Frankfurt sehr reizend. Aber das ist doch nur ein bloßes Miniatürgemälde. Hier sieht man die Natur gleichsam in Lebensgröße. Jenes ist gleichsam wie die Gelegenheitsstücke großer Künstler, flüchtig gezeichnet, nicht ohne meisterhafte Züge, aber ohne Vollendung; dieses hingegen ist ein Stück, mit Begeisterung gedichtet, mit Fleiß und Genie auf das Tableau geworfen, und aufgestellt vor der Welt mit der Zuversicht auf Bewunderung.
Dabei ist alles fruchtbar, selbst die höchsten Spitzen bebaut, und oft bis an die Hälfte des Berges, wie in der Schweiz, laufen saftgrüne Wiesen hinan. ?
Aber nun muß ich den Brief zusiegeln. Adieu. Schreibe mir doch ob Vater und Mutter nicht nach mir gefragt haben; und in welcher Art. Aber sei ganz aufrichtig. Ich werde ihnen flüchtige Gedanken, die natürlich sind, nicht verdenken. Aber bleibe Du standhaft, und verlasse Dich darauf, daß ich diesmal besser für Dich, und also für Deine Eltern sorge, als je in meinem Leben.“

Quellen und weiterführende Links:

http://www.heinrich-von-kleist.org/kleist-portal/
http://www.zitate-online.de/autor/kleist-heinrich-von/
https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_von_Kleist
http://kleistdaten.de/index.php?title=Brief_1800-09-04

 

Durch das Fortsetzen der Benutzung dieser Seite, stimmen Sie der Benutzung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen